| 1 CD |
€ 14.95
|
Preorder |
| Label Double Moon Records |
UPC 0608917148329 |
Catalogue number DMCHR 71483 |
Release date 25 September 2026 |
Ein Halo ist so etwas wie eine Aura. Die in Köln lebende Sängerin Anette von Eichel möchte ihrem neuen Album gewiss keinen Heiligenschein aufsetzen. Doch ein Halo ist zugleich eine Leuchterscheinung etwa ein vom Mondlicht erzeugter Ring oder ein Lichtkranz, wie er in der Natur und im Alltag häufig zu beobachten ist und als Offenbarung unterschiedlichster Art gedeutet werden kann. Für die Liedersammlung auf Anette von Eichels neuem Album könnte es kaum einen passenderen Titel geben – und das in mehrfacher Hinsicht. All diese Songs besitzen eine nächtliche Qualität, in der Licht aus der Dunkelheit hervortritt. In ihrer Abfolge erleben wir eine traumartige Reise, auf der aus der Nacht die Morgendämmerung neu ersteht.
Im übertragenen Sinne macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man das Album zum ersten, zweiten oder dritten Mal hört, denn dabei vollzieht sich ein eindrucksvoller Prozess der Transzendenz. Was zunächst lediglich wie eine Folge klar umrissener Songs in ihren jeweiligen Formen klingt, verwandelt sich allmählich in eine Art vokale und musikalische Lichtmasse, die wie eine Parallelerscheinung zur Wirklichkeit wirkt. Diese spektrale Verschiebung gipfelt in einem Lichtkranz, der alle Formen und Konturen auflöst – ein Gedanke, den der Albumtitel vollkommen auf den Punkt bringt. „Wenn ich einen Song schreibe, ist das ein bewusster Prozess, doch natürlich spielt das Unterbewusstsein eine große Rolle“, erklärt Anette von Eichel und beschreibt diese Verwandlung aus ihrer Perspektive. „Gerade mit diesem Album hoffe ich, den Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Schritt aus ihrem Alltag zurückzutreten und beim Hören eine ähnliche Transformation zu erleben.“
Beim Hören des Albums entsteht unabhängig von den Texten unweigerlich das Gefühl, jemand erzähle eine Geschichte. Aus der Osmose von Stimme und Musik entwickelt sich ein Strom, der das Ohr unausweichlich in seinen Sog zieht. Der Pianist Sebastian Sternal, der Bassist Henning Sieverts und der Schlagzeuger Jonas Burgwinkel werden zu den materiellen und metaphysischen Trägern dieser Geschichten, die Anette von Eichel mit atemberaubender Vielseitigkeit auf die Bühne ihres Liedtheaters bringt. Beim Schreiben geht sie von den Texten aus und versucht, den hinter den Worten verborgenen Klang zu entdecken. „Das Wort geht eine Symbiose mit dem Zusammenspiel unserer Band ein“, erklärt die Komponistin und beschreibt damit das Phänomen, wie sich Text in Klang auflöst. Die Songs besitzen eine große Flexibilität, die sich in nuancierter Improvisation ausdrückt. Dadurch wachsen sie nicht nur mit jeder Aufführung, sondern wie bereits erwähnt auch mit jedem erneuten Hören.
Halo ist das dritte Album, das Anette von Eichel innerhalb von sechs Jahren mit Sternal, Sieverts und Burgwinkel aufgenommen hat. Die Leichtigkeit ihres Zusammenspiels, das ständige Austarieren zwischen kollektiver Verdichtung und individueller Losgelöstheit sowie der spontane Umgang mit offenen Passagen erreichen hier einen neuen Höhepunkt. Eichels unverwechselbare Handschrift, geprägt von der Dreieinigkeit aus klassischem Jazzgesang im Stil von Carmen McRae und Betty Carter, Singer-Songwriter-Einflüssen in der Tradition Joni Mitchells und dem Timbre französischer Chansons, lässt die Stücke wie Standards klingen, die seit Jahrzehnten in der Luft liegen. Sie mögen starke Melodien und komplexe Rhythmen aufweisen, doch im Mittelpunkt steht stets der Song als Ganzes, mit dem alle einzelnen Elemente harmonieren müssen.
Es gibt nicht viele Sängerinnen, deren Sprech- und Singstimme sich so auffallend voneinander unterscheiden wie bei Anette von Eichel. Wenn sie singt, schlüpft sie nicht einfach in eine andere Persönlichkeit, sondern begegnet verborgenen inneren Welten, die sich im alltäglichen Gebrauch ihrer Stimme nicht zeigen könnten. Daraus entsteht eine unmittelbare Magie, bei der der Klang ihrer Stimme untrennbar mit den jeweiligen Emotionen des Songs verbunden ist. „Mich interessiert es, all die Gefühle hervorzuholen, die in meiner Stimme verborgen sind“, sagt Anette von Eichel. „Wenn ich singe, tauche ich viel tiefer in mich selbst ein und kann weitaus mehr Nuancen freilegen.“ Damit wären wir wieder beim Zusammenspiel von Licht und Schatten. Sie schlüpft in Rollen, wechselt häufig sogar innerhalb eines einzigen Songs die Perspektive, verwendet unkonventionelle Gesangstechniken wie Seufzer oder knarrende Laute und setzt den Atem als kreatives Element ein.
Halo ist aus Licht gebaut, und doch schafft dieses Album wie nur wenige andere einen Druckausgleich, der sich auf beinahe hypnotische Weise von den vier Musizierenden auf das Publikum überträgt. Je weiter man sich auf diese Reise in die Dämmerung und in die Nuancen menschlicher Erfahrung einlässt, desto befreiender ist ihre Wirkung. Halo ist ein leidenschaftliches Bekenntnis zur poetischen Klarheit der Mehrdeutigkeit. Verzichten wir an dieser Stelle auf pathetisch aufgeladene Begriffe wie Heilung, Spiritualität oder den Puls des Lebens und betrachten wir das Album stattdessen nüchtern und sachlich als das, was es ist: genau das richtige Statement für unsere Zeit.
Von Wolf Kampmann
Anette von Eichel studied jazz vocals for her Bachelor's and Master's degrees at the Royal Conservatoire in The Hague (Netherlands) with, among others, Rachel Gould and Jeanne Lee.
Her artistic collaborations over the past years with artists such as John Hollenbeck, Jesse van Ruller, Jasper Blom, Florian Ross, Matthias Schriefl, Robert Landfermann, Jonas Burgwinkel, Sebastian Sternal, Henning Sieverts, and film composer Annette Focks demonstrate Anette's versatility as a singer, composer, and lyricist. Her two productions with her current quartet, featuring Sebastian Sternal, Henning Sieverts, and Jonas Burgwinkel, have garnered significant international acclaim. The album "Belonging" (DMCHR 71435) was nominated for the German Jazz Prize in the "Vocals" category in 2024. Since 2010, the accomplished jazz singer has held a professorship in jazz vocals and jazz ensemble work at the Cologne University of Music.
Anette von Eichel studied jazz vocals for her Bachelor's and Master's degrees at the Royal Conservatoire in The Hague (Netherlands) with, among others, Rachel Gould and Jeanne Lee.
Her artistic collaborations over the past years with artists such as John Hollenbeck, Jesse van Ruller, Jasper Blom, Florian Ross, Matthias Schriefl, Robert Landfermann, Jonas Burgwinkel, Sebastian Sternal, Henning Sieverts, and film composer Annette Focks demonstrate Anette's versatility as a singer, composer, and lyricist. Her two productions with her current quartet, featuring Sebastian Sternal, Henning Sieverts, and Jonas Burgwinkel, have garnered significant international acclaim. The album "Belonging" (DMCHR 71435) was nominated for the German Jazz Prize in the "Vocals" category in 2024. Since 2010, the accomplished jazz singer has held a professorship in jazz vocals and jazz ensemble work at the Cologne University of Music.